Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (abgekürzt
BPS) gehört zur Gruppe der emotional instabilen
Persönlichkeitsstörungen. Es handelt sich um eine Krankheit, die
sich durch Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen
Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet.
Der Name Borderline ( engl. für Grenzlinie) ist dabei etwas
verwirrend und wurde Ende der 30iger Jahre von dem amerikanischen
Psychoanalytiker William Louis Stern eingeführt. Er charakterisierte
damit psychische Beeinträchtigungen, die zwischen Neurose und Psychose
schwanken. Der Name Borderlinestörung bezeichnete also ursprünglich eine
bestimmte Gruppe von Störungen an der Grenze zwischen Neurose und
Psychose.
Später wurde erkannt, dass diese Störungen in ihrer Gesamtheit zu sehen
ist. Der Begriff Borderline hat somit seine damlige Bedeutung verloren,
wurde aber trotzdem beibehalten. Heute gelten Borderlinestörungen als
eigenständiges Krankheitsbild und können wesentlich besser
diagnostiziert werden.
Borderliner weisen in folgenden Lebensbereichen erhebliche Probleme auf:
1. Störungen der Emotionsregulation:
- Stimmungsschwankungen
- Schwierigkeiten, Gefühle zu steuern
2. Störungen des Denkens:
- Dissoziationen (Verzerrung von Zeit-, Raum- und Körperwahrnehmung)
- Flashbacks (Wiedererleben von traumatischen Erinnerungen)
- Pseudohalluzinationen (Illusionen, die als Täuschung erkannt werden)
- Paranoides Denken (Gefühl, verfolgt zu werden)
- Negative Grundannahmen (schlechte Meinung von sich selbst haben)
3. Störungen der Identität:
- Gefühle von Unsicherheit, Fremdheit und Ekel im Umgang mit sich selbst und dem eigenen Körper
- Das Gefühl, „anders“ zu sein, als alle anderen
- Unsicherheit bezüglich Zukunftszielen, der eigenen Meinung, wichtiger Entscheidungen und Alltagsentscheidungen.
4. Störungen im zwischenmenschlichen Bereich:
- Intensive und instabile Beziehungen
- Ein Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung
- Schwierigkeiten, allein zu sein
- Angst davor, verlassen zu werden und Angst vor Nähe
5. Störungen auf der Verhaltensebene:
- Impulsive und potentiell selbstschädigende Verhaltensweisen
- Hochrisikoverhalten
Es wurden neun typische Haupt-Merkmale festgelegt:
- Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.
- Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
- Identitätsstörung, d. h. ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
- Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Aktivitäten (z.B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmißbrauch, rücksichtsloses Fahren, Essanfälle).
- Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
- Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung.
- Chronisches Gefühle von Leere.
- Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren.
- Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.
Unabhängig von den typischen Symptomen treten aber meist noch andere Symptome auf, zum Beispiel:
- Depressionen
- Suchtverhalten
- Realitätsverlust / Derealisation
- Verlust des Persönlichkeitsgefühls / Depersonalisation
- Ängste
- Hysterie
- typisches Schwarz-Weiss-Denken
- Zwänge und Rituale
- psychosomatische Symptome
- Angriffe zur Prävention vor Verletztwerden
- Gefühlsstörungen
- gestörtes Sozialverhalten
- Essstörungen
- Kontaktarmut – Abbruch von Kontakten
Die gesicherte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung, sowie
aller sonstigen psychischen Störungen, können nur Fachärzte oder
Therapeuten stellen. Wenn man sich in den oben genannten
Punkten wiederfindet sollte man dies unbedingt z.B. in einem
therapeutischen Gespräch abklären. Psychiatrische Diagnosen können nicht
eben mal gestellt werden. Dafür sind zuverlässige Tests und spezifische
diagnostische Kriterien notwendig.
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